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      Die beiden Bilder zeigen J.H.W. Tischbein.



Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, geboren 1751 in Haina in Hessen-Kassel, wohnte als Hofmaler des Eutiner Herzogs von 1808 bis zu seinem Tode im Jahre 1829 in Eutin.
In dieser Zeit übernachtete er oft, wenn er nach Lübeck kam, im Hotel Zum Goldenen Anker .

Sein Grab befindet sich auf dem Eutiner Friedhof in der Plöner Straße. Einige Bilder hängen im Ostholstein-Museum und im Eutiner Schloss. Sein Wohnhaus in Eutin ist heute ein Tischbein-Museum.

Ungeachtet der großen Anzahl seiner Werke begründet sich sein hoher Bekanntheitsgrad im wesentlichen auf zwei Bilder.

Goethe am Fenster in Rom. Aquarell, Kreide, Feder, Bleistift auf Papier     Goethe in der Campagna. Öl auf Leinwand, 1787

Links: Goethe am Fenster der römischen Wohnung am Corso, 1787 Aquarell auf Paier
Rechts: Goethe in der Campagna, 1787, Öl auf Leinwand

Vom rechten Bild gibt es noch eine ältere Version als Federzeichnung auf Papier.

Goethe in der Campagna, Federzeichnung auf Papier, um 1787

Als Gradmesser für die Bekanntheit dieses Bildes mag das folgende Beispiel dienen.

Goethe-Portrait von Andy Warhol

Das Goethe-Portrait in einer bunten Pop-Art-Versiom von Andy Warhol.



Ein weiteres Bild von J.H.W. Tischbein in zwei Versionen - Die Stärke des Mannes

J.H.W. Tischbein - Die Stärke des Mannes, 1789     J.H.W. Tischbein - Die Stärke des Mannes, 1813

Links: Öl auf Leinwand, 1789                                     Rechts: Radierung, 1813



Ögemäde von H.C. Kolbe - Portrait von Goethe

Portrait Goethes auf einem Gemälde von H. C. Kolbe

Johann Wolfgang von Goethe "An Tischbein"

Erst ein Deutscher, dann ein Schweizer,
Dann ein Berg- und Taldurchkreuzer,
Römer, dann Napolitaner,
Philosoph und doch kein Aner,
Dichter, fruchtbar aller Orten
Bald mit Zeichen, bald mit Worten,
Immer bleibest du derselbe
Von der Tiber bis zur Elbe!
Glück und Heil! so wie du strebest,
Leben! so wie du belebest,
So genieße! laß genießen!
Bis die Nymphen dich begrüßen,
Die sich in der Ilme baden
Und aufs freundlichste dich laden.


Goethe mit 26 Jahren - Maler unbekannt

Bildnis Goethes im Alter von 26 Jahren - Maler unbekannt


An denselben

Alles, was du denkst und sinnest,
Was du der Natur und Kunst
Mit Empfindung abgewinnest,
Druckst du aus durch Musengunst.

Farbe her! Dein Meisterwille
Schafft ein sichtliches Gedicht;
Doch, bescheiden in der Fülle,
Du verschmähst die Worte nicht.




Von der Freundschaft zwischen J.H.W. Tischbein und J.W. von Goethe zeugt der folgende Brief, der anläßlich einer Italien-Reise geschrieben wurde:

Tischbein an Goethe
Neapel, den 10. Juli 1787.

Unsere Reise von Rom bis Capua war sehr glücklich und angenehm. In Albano kam Hackert zu uns; in Velletri speisten wir bei Kardinal Borgia und besahen dessen Museum, zu meinem besondern Vergnügen, weil ich manches bemerkte, das ich im ersten Mal übergangen hatte. Um drei Uhr nachmittags reisten wir wieder ab, durch die Pontinischen Sümpfe, die mir dieses Mal auch viel besser gefielen als im Winter, weil die grünen Bäume und Hecken diesen großen Ebenen eine anmutige Verschiedenheit geben. Wir fanden uns kurz vor der Abenddämmerung inmitten der Sümpfe, wo die Post wechselt. Während der Zeit aber, als die Postillons alle Beredsamkeit anwendeten, uns Geld abzunötigen, fand ein mutiger Schimmelhengst Gelegenheit, sich loszureißen und fortzurennen; das gab ein Schauspiel, welches uns viel Vergnügen machte. Es war ein schneeweißes, schönes Pferd von prächtiger Gestalt; er zerriss die Zügel, womit er angebunden war, hackte mit den Vorderfüßen nach dem, der ihn aufhalten wollte, schlug hinten aus und machte ein solches Geschrei mit Wiehern, dass alles aus Furcht beiseite trat. Nun sprang er übern Graben und galoppierte über das Feld, beständig schnaubend und wiehernd. Schweif und Mähnen flatterten hoch in die Luft auf, und seine Gestalt in freier Bewegung war so schön, dass alles ausrief: „O che bellezze! Che bellezze!“ Dann lief er nah’ an einem andern Graben hin und wider und suchte eine schmale Stelle um überzuspringen und zu den Fohlen und Stuten zu kommen, deren viele hundert jenseits weideten. Endlich gelang es ihm hinüber zu springen, und nun setzte er unter die Stuten, die ruhig grasten. Die erschraken vor seiner Wildheit und seinem Geschrei, liefen in langer Reihe und flohen über das flache Feld vor ihm hin; er aber immer hintendrein, indem er aufzuspringen versuchte.

Endlich trieb er eine Stute abseits, die eilte nun auf ein ander Feld zu einer andern zahlreichen Versammlung von Stuten. Auch diese, von Schrecken ergriffen, schlugen hinüber zu dem ersten Haufen. Nun war das Feld schwarz von Pferden, wo der weiße Hengst immer drunter herum sprang, alles in Schrecken und Wildheit. Die Herde lief in langen Reihen auf dem Feld hin und her, es sauste die Luft und donnerte die Erde, wo die Kraft der schweren Pferde überhin flog. Wir sahen lange mit Vergnügen zu, wie der Trupp von so vielen Hunderten auf dem Feld herumgaloppierte, bald in einem Klump, bald geteilt, jetzt zerstreut einzeln umherlaufend, bald in langen Reihen über den Boden hinrennend.

Endlich beraubte uns die Dunkelheit der einbrechenden Nacht dieses einzigen Schauspiels, und als der klarste Mond hinter den Bergen aufstieg, verlosch das Licht unsrer angezündeten Laternen. Doch da ich mich lange an seinem sanften Schein vergnügt hatte, konnte ich mich des Schlafs nicht mehr erwehren, und mit aller Furcht vor der ungesunden Luft schlief ich länger als eine Stunde und erwachte nicht eher, bis wir zu Terracina ankamen, wo wir die Pferde wechselten.

Hier waren die Postillons sehr artig, wegen der Furcht, welche ihnen der Marchese Lucchesini eingejagt hatte; sie gaben uns die besten Pferde und Führer, weil der Weg zwischen den großen Klippen und dem Meer gefährlich ist. Hier sind schon manche Unglücke geschehen, besonders nachts, wo die Pferde leicht scheu werden. Während des Anspannens und indessen man den Pass an die letzte römische Wache vorzeigte, ging ich zwischen den hohen Felsen und dem Meer spazieren, und erblickte den größten Effekt: Der dunkle Fels vom Mond glänzend erleuchtet, der eine lebhaft flimmernde Säule in das blaue Meer warf, und bis auf die am Ufer schwankenden Wellen heranflimmerte.

Da oben, auf der Zinne des Berges, im dämmernden Blau, lagen die Trümmer von Genserichs zerfallener Burg; sie machte mich an vergangene Zeiten denken, ich fühlte des unglücklichen Konradins Sehnsucht, sich zu retten, wie des Cicero und des Marius, die sich alle in dieser Gegend geängstigt hatten.

Schön war es nun fernerhin an dem Berg, zwischen den großen herab gerollten Felsenklumpen am Saum des Meers im Mondenlicht herzufahren. Deutlich beleuchtet waren die Gruppen der Olivenbäume, Palmen und Pinien bei Fondi; aber die Vorzüge der Zitronenwälder vermisste man, sie stehen nur in ihrer ganzen Pracht, wenn die Sonne auf die goldglänzenden Früchte scheint. Nun ging es über den Berg, wo die vielen Oliven- und Johannisbrotbäume stehen, und es war schon Tag geworden, als wir bei den Ruinen der antiken Stadt, wo die vielen Überbleibsel von Grabmälern sind, ankamen. Das größte darunter soll dem Cicero errichtet worden sein, eben an dem Ort, wo er ermordet worden. Es war schon einige Stunden Tag, als wir an den erfreulichen Meerbusen zu Mola di Gaeta ankamen. Die Fischer mit ihrer Beute kehrten schon wieder zurück, das machte den Strand sehr lebhaft. Einige trugen die Fische und Meerfrüchte in Körben weg, die andern bereiteten die Garne schon wieder auf einen künftigen Fang. Von da fuhren wir nach Garigliano, wo Cavaliere Venuti graben lässt. Hier verließ uns Hackert, denn er eilte nach Caserta, und wir gingen abwärts von der Straße, herunter an das Meer, wo ein Frühstück für uns bereitet war, welches wohl für ein Mittagessen gelten konnte. Hier waren die ausgegrabenen Antiken aufgehoben, die aber jämmerlich zerschlagen sind. Unter andern schönen Sachen findet sich ein Bein von einer Statue, die dem Apoll von Belvedere nicht viel nachgeben mag. Es wär’ ein Glück, wenn man das übrige dazu fände.

Wir hatten uns aus Müdigkeit etwas schlafen gelegt, und da wir wieder erwachten, fanden wir uns in Gesellschaft einer angenehmen Familie, die in dieser Gegend wohnt, und hierher gekommen war, um uns ein Mittagsmahl zu geben; welche Aufmerksamkeit wir freilich Herrn Hackert schuldig sein mochten, der sich aber schon entfernt hatte. Es stand also wieder aufs neue ein Tisch bereitet; ich aber konnte nicht essen noch sitzen bleiben, so gut auch die Gesellschaft war, sondern ging am Meer spazieren zwischen den Steinen, worunter sich sehr wunderliche befanden, besonders viele durch Meerinsekten durchlöchert, deren einige aussahen wie ein Schwamm.

Hier begegnete mir auch etwas recht Vergnügliches: Ein Ziegenhirt trieb an den Strand des Meeres; die Ziegen kamen in das Wasser und kühlten sich ab. Nun kam auch der Schweinehirt dazu, und unter der Zeit, dass die beiden Herden sich in den Wellen erfrischten, setzten sich beide Hirten in den Schatten und machten Musik; der Schweinehirt auf einer Flöte, der Ziegenhirt auf dem Dudelsack. Endlich ritt ein erwachsener Knabe nackend heran und ging so tief in das Wasser, so tief, dass das Pferd mit ihm schwamm. Das sah nun gar schön aus, wenn der wohl gewachsene Junge so nah’ ans Ufer kam, dass man seine ganze Gestalt sah, und er sodann wieder in das tiefe Meer zurückkehrte, wo man nichts weiter sah als den Kopf des schwimmenden Pferdes, ihn aber bis an die Schultern.

Um drei Uhr nachmittags fuhren wir weiter, und als wir Capua drei Meilen hinter uns gelassen hatten, es war schon eine Stunde in der Nacht, zerbrachen wir das Hinterrad unsres Wagens. Das hielt uns einige Stunden auf, um ein andres an die Stelle zu nehmen. Da aber dieses geschehen war und wir abermals einige Meilen zurückgelegt hatten, brach die Achse. Hierüber wurden wir sehr verdrießlich; wir waren so nah bei Neapel und konnten doch unsre Freunde nicht sprechen. Endlich langten wir einige Stunden nach Mitternacht daselbst an, wo wir noch so viele Menschen auf der Straße fanden, als man in einer andern Stadt kaum um Mittag findet.

Hier hab’ ich nun alle unsre Freunde gesund und wohl angetroffen, die sich alle freuten, dasselbe von Ihnen zu hören. Ich wohne bei Herrn Hackert im Haus; vorgestern war ich mit Ritter Hamilton zu Pausilipo auf seinem Lusthaus. Da kann man denn freilich nichts Herrlicheres auf Gottes Erdboden schauen. Nach Tisch schwammen ein Dutzend Jungen in dem Meer, das war schön anzusehen. Die vielen Gruppen und Stellungen, welche sie in ihren Spielen machten! Er bezahlt sie dafür, damit er jeden Nachmittag diese Lust habe. Hamilton gefällt mir außerordentlich wohl; ich sprach vieles mit ihm, sowohl hier im Haus, als auch da wir auf dem Meer spazieren fuhren. Es freute mich außerordentlich, so viel von ihm zu erfahren, und hoffe noch viel Gutes von diesem Mann. Schreiben Sie mir doch die Namen Ihrer übrigen hiesigen Freunde, damit ich auch sie kennen lernen und grüßen kann. Bald sollen Sie mehreres von hier vernehmen. Grüßen Sie alle Freunde, besonders Angelika und Reiffenstein.

N. S. Ich finde es in Neapel sehr viel heißer als in Rom, nur mit dem Unterschied, dass die Luft gesünder ist und auch beständig etwas frischer Wind weht, aber die Sonne hat viel mehr Kraft; die ersten Tage war es mir fast unerträglich. Ich habe bloß von Eis- und Schneewasser gelebt.



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